GDC Europe – postmortem

Tja- wo soll man da am besten anfangen. Bei all den Erlebnissen der vergangenen drei GDC- Tage wird das jedenfalls ein extrem langer Eintrag.

Vorab möchte ich eins klarstellen: die folgenden Zeilen haben teilweise extremen GameDev- Geekfaktor! D.h. so manch euphorischer Ausruf à la “OMG ich habe auf der GDC XYZ getroffen” mag für diejenigen Leser, die sich entweder (noch) nicht mit der Spiele- Entwicklerszene auskennen, oder die es nicht interessiert möglicherweise, nur schwer zu begreifen sein. Klingt also manchmal verrückt – ist aber so.

Tag 0 : Sonntag
Am sinnvollsten ist es sicherlich, die einzelnen Tage einzeln durchzugehen – fangen wir also mit dem “nullten” Tag an. Der Sonntag. Denn hier fand das Einführungstreffen für alle supercoolen “CA”s (“Conference Associate) statt. Das Congress Center befindet sich übrigens im Osten des Kölner Messegeländes.

Das GDC Kongress- Center

Das GDC Kongress- Center

Jedenfalls haben wir dann dort unsere Einführung in die Tätigkeiten eines CA bekommen und die anderen CAs kennen gelernt. Dabei gab es 10 Überraschungen: 1) mein Kommilitone Vadim war dabei – das wusste ich vorher nicht; 2) 98% der anderen CAs kamen von den unterschiedlichen  Standorten der Games Academy – offenbar war das für die eine Art Praktikum…
Während der Einführung haben wir dann unsere modischen GDC -Staff – T Shirts und die Conference Badges samt der Studenten- Tickets bekommen. Überaschenderweise gab es dann doch ein vier-Tages- Ticket auf die GamesCom. Nicht wie vorher angekündigt nur einen Tag.

die GDC - Staff Shirts

die GDC - Staff Shirts

Nach der Einführung folgte die obligatorische Führung durch die einzelnen Ebenen und Räumlichkeiten des Congress Centers. Die Raum- und Gang Aufteilung ist dabei wesentlich verwinkelter, als ich angenommen hatte. Die einzelnen Konferenzsääle sind auf insgesamt vier Etagen verteilt, wobei eine Etage nur für Toilettenräume genutzt wird (ja ich weiß: WTF?!) . Auf der untersten Ebene der GDC- Etagen war Platz für eine Handvoll Aussteller. Darunter kleinere Firmen wie Intel, Crytek und Autodesk, aber auch große imperialistisch anmutende Konzerne wie das Russische Trash- Entwicklerstudio “2Play”.

Während der Einführung haben wir CAs auch unsere Aufgaben- Einteilung für die kommenden Tage bekommen. Einige “Den-Ganzen-Tag-nur-rumsteh-und-Karten-kontrollier” – Jobs waren dabei auch Gegenstand von heftigsten Protesten seitens einiger GamesAcademy Kinder Studenten.

Alle Kommunikation geschah natürlich in Englisch – das Personal war größtenteils von Think Services (die Organisation aus San Francisco, die alle GDCs weltweit veranstaltet). Ich hätte so manch einen Amerikaner allerdings gerne NOCH öfter “EuropaSaal” oder “OffenbachSaal” sagen hören wollen ;-)

GDC Expo Area

GDC Expo Area

GDC Expo Area

GDC Expo Area

Glücklicherweise war ich nur am Montag für Arbeit eingeteilt. Und zwar als ein sogenannter “Floater” – d.h. ein CA, der nicht an einer bestimmten Position fest eingesetzt ist, sondern immer dahin rennt, wo ein Helfer gebraucht wird. Und das 10 Stunden lang…. Dennoch: die beiden anderen GDC Tage Dienstag und Mittwoch hatte ich dafür komplett frei und konnte die Sessions besuchen – ein super Deal.

Nach der Einführung ging es ab zur ersten GDC- Party im Haxenhaus direkt am Kölner Rheinufer. Dort wurden extra für die GDC Mitarbeiter und Speaker Tische reserviert und es gab Freibier ;-)
Grundsätzlich hatte die Party den Zweck, die angereisten Speaker in Köln wilkommen zu heißen. Und wie geht das besser, als mit Freibier?! ;-)

erste GDC- Party

erste GDC- Party

Es wurde spät an diesem Abend – sehr spät. Es war schön, die anderen CAs besser kennen lernen zu können. Mit zwei Schweden, deren Namen ich mittlerweile längst wieder vergessen habe, war das Bier Milch Trinken besonders unterhaltsam.

Und dann kündigte sich auch schon das erste Highlight der gesamten GDC an: BRUCE SHELLEY!

Seines Zeichens Vater der Age Of Empires – Serie und Mitgründer des leider mittlerweile geschlossenen Ensamble Studios. Er war tatsächlich da. Zuerst hab ich ihn gar nicht richtig erkannt. Aber anhand eines Foto- Vergleichs konnten wir diesen vernichtenden Beweis erbringen:

Bruce Shelley Verdachtsbild

Bruce Shelley Verdachtsbild

Bruce Shelley Foto der Google Bildersuche

Bruce Shelley Foto der Google Bildersuche

….krass oder? Ich meine: Bruce Shelley! Der Rockstar unter den RTS- Entwicklern!! Hier?! In Köln? Direkt vor unserer Nase? Ich musste ihn einfach ansprechen… mit diesem Vorhaben im Hinterkopf wurde die Nacht immer länger und die Anzahl der konsumierten Milchgläser immer höher…. nun, irgendwann war diese dann hoch genug, um ihn tatsächlich anzusprechen!

Meine Scheu war gänzlich unbegründet. Bruce (und ja! Er war es wirklich) ist ein sehr netter und gemütlicher Amerikaner. Wir haben über Age Of Empires und Ensamble Studios gesprochen, aber auch über ein Thema, dass mich zur Zeit ganz besonders beschäftigt: ist es nötig/empfehlenswert, als wannabe- Gameprogammer GameDesign zu studieren? Seine Antwort, zu der er auch ein beipflichtendes Nicken vom daneben sitzenden Andreas Suika (seines Zeichens Lead Game Designer bei BlueByte) bekam: “As long as you can program and can perform, no one in the game industry will ever care about your degrees or study course.” Mit diesen Worten, die den Druck, mich in ein teures GameDesign Studium stürzen zu müssen, zumindest etwas reduziert haben, mach ich für heute den Sack zu, ohne auf einen einzigen Tag der “Richtigen” GDC eingegangen zu sein. Ich hoffe, dass ich mich morgen deutlich kürzer fassen kann.


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